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Wer Banken schwächt, gefährdet auch Lehrstellen

Von Christian Bretscher, Geschäftsführer Zürcher Bankenverband

In der Debatte um die Bankenregulierung geht es meist um Kapitalquoten und Risiken. Dabei wird leicht übersehen, welchen Beitrag ein wettbewerbsfähiger Finanzplatz zur Ausbildung der nächsten Generation leistet. Gerade Zürich zeigt: Banken sind nicht nur Arbeitgeber und Steuerzahler, sondern auch bedeutende Lehrbetriebe und Talentschmieden.

Der Finanzplatz Zürich gehört zu den wichtigsten Wirtschaftssektoren der Schweiz. Er schafft Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen. Weniger bekannt ist, wie bedeutend seine Rolle für die Berufsbildung ist. Rund 3’500 junge Menschen absolvieren im Zürcher Finanzsektor eine Ausbildung. Banken investieren darüber hinaus in Weiterbildungen, Hochschulangebote und die kontinuierliche Qualifizierung ihrer Mitarbeitenden.

Besonders deutlich zeigt sich dieses Engagement bei den kaufmännischen Banklehrstellen: Rund die Hälfte aller KV-Banklehrstellen im Kanton Zürich wird von der UBS angeboten, rund ein Drittel von der Zürcher Kantonalbank. Allein diese beiden Institute tragen damit einen ganz wesentlichen Teil der Nachwuchsausbildung des Zürcher Bankenplatzes.

Das ist alles andere als selbstverständlich. Die Ausbildung junger Menschen kostet Zeit und Geld. Sie verlangt Berufsbildnerinnen und Berufsbildner, geeignete Arbeitsplätze, interne Programme und die Bereitschaft, langfristig in Talente zu investieren. Die Banken tun dies seit Jahrzehnten – nicht nur im eigenen Interesse, sondern auch zugunsten des Wirtschaftsstandorts Zürich.

Dabei wirken verschiedene Akteure zusammen. Die praktische Ausbildung findet in den Banken statt, das theoretische Fachwissen wird unter anderem bei CYP und dem Bankenberatungszentrum bbz vermittelt. Der Zürcher Bankenverband unterstützt Berufsbildungsprojekte, Berufsmessen und neue Ausbildungsmodelle wie die KV-Berufsmaturität Fokus. Hinzu kommt ein dichtes Weiterbildungsnetzwerk mit Institutionen wie ZHAW, Universität Zürich oder HWZ.

So entsteht ein Bildungsökosystem, von dem weit mehr profitiert als nur die Finanzbranche.

Denn die Banken bilden Fachkräfte nicht für eine abgeschottete Branche aus. Wissen, Erfahrung und Kompetenzen wandern weiter. Eine im März 2026 publizierte Studie des Zürcher Bankenverbandes und von Oliver Wyman zeigt: Fast 60 Prozent der Mitarbeitenden der zehn grössten Unternehmen der Zürcher Realwirtschaft haben zuvor im Finanzsektor gearbeitet. Der Finanzplatz ist damit auch eine Talentschmiede für den gesamten Wirtschaftsstandort.

Gerade deshalb gehört dieser Aspekt in die aktuelle Regulierungsdebatte.

Niemand bestreitet, dass Banken solide kapitalisiert sein müssen und eine wirksame Regulierung unerlässlich ist. Die Lehren aus dem Untergang der Credit Suisse müssen gezogen werden. Regulierung ist jedoch kein Selbstzweck. Sie muss Risiken wirksam reduzieren, ohne die international tätigen Schweizer Institute strukturell zu benachteiligen.

Denn zusätzliche Kapitalanforderungen und andere einschneidende Auflagen bleiben nicht ohne wirtschaftliche Folgen. Kapital, das regulatorisch gebunden wird, steht nicht für Investitionen zur Verfügung. Sinkt die Wettbewerbsfähigkeit der Banken, geraten mittelfristig auch Arbeitsplätze, Innovation und Investitionen in die Ausbildung unter Druck.

Das bedeutet nicht, dass bei jeder regulatorischen Verschärfung unmittelbar Lehrstellen gestrichen werden. Eine solche Behauptung wäre zu einfach. Aber ebenso kurzsichtig wäre es, so zu tun, als hätten die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eines Unternehmens keinen Einfluss darauf, wie viel es investieren, ausbilden und langfristig aufbauen kann.

In der Diskussion um die Zukunft des Finanzplatzes dürfen deshalb nicht nur Risiken in die Waagschale geworfen werden. Auch sein realer Wert für unser Land gehört dazu. Dazu zählen attraktive Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und Wertschöpfung – aber eben auch die Ausbildung von Tausenden jungen Menschen und die Entwicklung jener Fachkräfte, auf die unsere gesamte Wirtschaft angewiesen ist.

Ein starker Finanzplatz schafft Chancen. Für Lernende, für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger und für Menschen, die sich während ihres ganzen Berufslebens weiterentwickeln wollen.

Wer über Bankenregulierung spricht, sollte deshalb auch über diese Chancen sprechen. Und dafür sorgen, dass sie erhalten bleiben.

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